Fashion-Fascists?
Jan 26th, 2012 | By Bernd Biege | Category: Alles Irland?
Spitzwegs “Armer Poet” hatte es gut … er hatte zwar kein Geld, würde aber beim irischen Sozialamt welches bekommen. Auch, wenn er wie ein Mufflon in der Paarungszeit roch. Schliesslich hatte er keinen Pyjama an.
Der Poet schlief in seinen Alltagskleidern – und in jenen darf man in Irland herumlaufen, egal wie dreckig oder olfaktorisch herausfordernd sie sind. Nicht herumlaufen darf man dagegen im Pyjama. Das bestimmt nicht nur ein Kino in Cork, das entschied auch das Social Welfare Office in Damastown. Irland macht sich – der britische Nanny State wird jetzt mit Hilfe von Fashion Fascism übertroffen.
Don’t get me wrong (wie Crissie Hynde sagte) – ich bin durchaus kritisch manchen Auswüchsen der Mode gegenüber. So mag ich die Kombination von weisser (in der Schrittgegend meist gelblich verfärbter) Jogginghose, Hoodie und Baseballkäppi nicht, kann mich bei strammen Miniröcken mit Muffintop nur abwenden und habe eine ganz besondere Abneigung gegen schwarzafrikanische Jungbullen, die den Gangsta-Rappa geben. Aber: Jeder, wie er will … nur ohne mich.
Wer mich kennt, mag einwenden, dass mein Heatons-Asda-Look nun auch nicht umwerfend ist. Stimmt. Modisch ist anders.
Es geht aber jetzt gar nicht um Mode, Geschmack(sverirrung) oder sowas – es geht um “appropriate attire“. Wer entscheidet eigentlich, was “angemessene Kleidung” ist?
Oder, anders herum gefragt: Was geht eigentlich im Hirn der Sozialamtsbürokraten vor, die meinen, anderen Menschen ihre Kleidung vorschreiben zu müssen? Und diese Menschen anhand der Kleidung abweisen?
Oder, noch provokanter gefragt: Wer schützt uns vor den Normwächtern, die irgendwann entscheiden, dass man auf Ämter nur im Anzug, mit Old Spice auf der Hackfresse und Linksscheitel kommen darf. Frauen im irischen Schador – Schal und Kopftuch. Züchtig, zack-zack!
Ganz ehrlich: Wenn keine eher ungewöhnlichen Körperteile heraushängen, die Kleidung sauber und der Mensch frei von Geruch und Läusen ist, dann soll es Kinobesitzern und Beamten doch bitte furzegal sein, was konkret die Kleidung ausmacht.
Irgendwo gibt es doch auch ein Menschenrecht auf persönliche Entfaltung, oder? Und der eigene Kleidungsstil gehört wohl dazu. Ob er mir nun gefällt … oder ob nicht … das ist egal.

Recht hast du :-).
Naja, ich halte von der irischen “Pyjama -Kultur” grundsaetzlich nichts. Aber was soll’s, gibt sicher Wichtigeres.
Und ausserdem sehen manche Folklore-Bekleidungen nicht-irischer Mitbuerger Pyjamas auch manchmal sehr
aehnlich.
Mussen die dann auch draussen bleiben :-)